Myanmar abseits der Touristenpfade: So verbringst du einen tollen Tag in Mandalay

„Gestatten, Thura, Lebenskünstler“

Nach einer langen Fahrt mit dem unterkühlten Nachtbus von Vientiane nach Bangkok und einem Flug nach Myanmar ist man verständlicherweise nicht unbedingt auf dem Höhepunkt seiner eigenen Laune. Klapprige Minibusse, die einen vom Flughafen Mandalay in die etwa eine Stunde Fahrt entfernte Stadt bringen, heben die Stimmung auch nicht nennenswert. Zum Glück gibt es da aber auch noch Thura.

Thura ist ein immer gut gelaunter Myanmare Mitte 40, der gelegentlich im Flughafen-Transferbus sitzt und Leute anquatscht. Stolz präsentiert er uns sein Gästebuch, denn Thura ist Tour-Guide in Mandalay. Nebenberuflich, wie er erklärt, sein eigentliches Geschäft besteht in der Pilzzucht. Die habe ihm wiederum eine thailändische Zufallsbekanntschaft nahegebracht, nachdem er sein Mönchsleben an den Nagel gehängt hatte. Aber dazu später mehr.

Weil uns Thura gut gefällt, engagieren wir ihn direkt für einen Tagesausflug mit dem Tuk Tuk in die Umgebung von Mandalay am nächsten Tag. Thuras Konzept: Keine typischen Touristen-Sehenswürdigkeiten besuchen, sondern den ausländischen Gästen das echte Leben in Myanmar zeigen. Klingt ziemlich gut.

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Thuras TukTuk ist eher eine Art umgebauter Transporter.

Unser erster Sonnenaufgang in Myanmar

Pünktlich am nächsten Tag um 6 Uhr morgens hupt Thura vor unserem Hotel. Außer uns sitzen schon ein Amerikaner und ein Schweizer Pärchen auf der Ladefläche des Tuk Tuk-Verschnitts. Erster Stopp ist die U-Bein-Bridge in Amanapura bei Mandalay, die den Thaungthaman-See überquert. Pünktlich zum Sonnenaufgang sind wir da.

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Die U-Bein Brücke bei Mandalay gilt als älteste und längste Teakholzbrücke der Welt.

Thuras nächster Programmpunkt für den Vormittag ist der Besuch einiger Werkstätten in der Umgebung, darunter eine Weberei, eine Schmiede und eine Holzschnitzerei. Das Schöne ist, dass hier noch nichts extra für Touristen aufbereitet ist.

Tatsächlich versucht auch niemand uns etwas zu verkaufen. Wir dürfen einfach nur zusehen und bekommen am Ende sogar eine kleine Schale geschenkt. Bei einer Myanmarin, die am Straßenrand Reispfannkuchen verkauft, dürfen wir selbstverständlich auch probieren.

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Nicht jedermanns Sache, aber auf jeden Fall ein interessanter Geschmack – myanmarische Reispfannkuchen.

Thanaka, die Wunderpaste Myanmars

Viele Menschen in Myanmar, vor allem Frauen und Kinder, reiben sich eine gelblich-weiße Paste aus fein geriebener Baumrinde ins Gesicht: Thanaka. Sie soll wahre Wunder an der Haut verbringen.

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Wasser, Baumrinde und eine Steinplatte – mehr braucht man für die Herstellung von Thanaka nicht.

Thanaka verwenden die Frauen in Myanmar wie Make-Up. Oft tragen sie die Paste daher in fein gemalten Mustern wie Blättern oder Kreisen auf. Natürlich müssen wir das an unserem nächsten Stopp auch sofort ausprobieren. Damit das Bild komplett ist, binden uns zwei Freundinnen von Thura einen Longyi, das traditionelle Kleidungsstück der Myanmaren, um.

Die Gastfreundschaft in Myanmar ist unglaublich

Plötzlich stoppt Thura unser Tuk Tuk so rasant, dass wir fast von der Ladefläche geschleudert werden. Aufgeregt winkt er uns über die Straße. Auf der anderen Seite findet gerade ein Fest statt, wenn wir Thura richtig verstanden haben, geht es um Kinder und irgendeine Art von Initiationsritual. Ist aber auch nebensächlich, denn sobald wir eintreffen, sind wir sowieso die Attraktion.

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Alle Fest-Besucher warten gespannt auf den Auftritt der extra engagierten Sänger.

Jeder bekommt eine Schale Reis mit Fisch und Bohnen vorgesetzt, die wir tapfer auslöffeln, während um uns herum die Einheimischen fleißig Fotos schießen. Einige Kinder führen uns in den Festsaal, der knallbunt-glitzernd dekoriert ist. Wir bekommen einen Ehrenplatz, einige ältere Damen servieren Tee und klebrig-süßes Gebäck, und die ersten Kinder ziehen mit unseren Kameras ab. Natürlich nur um ein paar Fotos von der Feier zu schießen.

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Die Nikon ist natürlich der Hit, aber meine alte Canon kommt bei den Kindern auch nicht schlecht an.

Nach einer Stunde verabschieden wir uns, denn Thura hat uns zum Mittagessen zu sich nach Hause eingeladen. Unterwegs erzählt er uns von seiner Pilzzucht, deren Ergebnis wir wenig später in Form einer Pilzsuppe direkt probieren dürfen, frisch von Thuras Frau zubereitet und echt lecker.

Stolz präsentiert Thura währenddessen das Fotoalbum mit seinen Hochzeitsfotos und einen älteren Zeitungsausschnitt, der ihn neben dem laotischen Präsidenten zeigt. Die Schwiegermutter beschäftigt derweil die beiden kleinen Töchter, die später mal auf die Universität gehen sollen. Von schlechter Ausbildung hält Thura nämlich gar nichts.

Ein Mönchsleben in Myanmar

Thura war nach eigener Aussage selbst mal Mönch und nimmt uns deshalb mit in sein ehemaliges Kloster. Hier kommen wir gerade noch rechtzeitig, um eine Verteilung von Waren an die Mönche mitzuerleben. Heute gibt es ein Handtuch, ein Stück Seife und ein paar weitere Kleinigkeiten für jeden.

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Geduldig warten die Mönche, bis sie bei der Spendenverteilung an der Reihe sind.

Vorsichtig winkt Thura uns zu einem Fenster, durch das wir in den Innenraum des Klosters sehen können. Hier nehmen die Möchte schweigend ihr Mittagessen ein. Weil es mir irgendwie pietätlos vorkommt, das zu fotografieren, knipse ich stattdessen die Schuhe der Mönche. Sieht besser aus als es klingt :).

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Die Schuhe auszuziehen bevor man ein religiöses Gebäude betritt, ist oberstes Gebot in Myanmar.

Was viele nicht wissen ist, dass es auch buddhistische Nonnen gibt, so allgegenwärtig ist in Asien das Bild der Mönche. Thura weiß das auch und nimmt uns deshalb mit auf einen Abstecher ins Nonnenkloster. Die Lebensweise und die Vorschriften für das Alltagsleben ähneln stark denen der Mönche. Der größte Unterschied liegt wohl in der Farbe der Kleidung – rot für Mönche, rosa für Nonnen.

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Klosterleben bedeutet Gemeinschaft – hier lesen einige buddhistische Nonnen gemeinsam.

Last but not least: Die berühmte Pilzzucht

Über einen holprigen, staubigen Feldweg gelangen wir schließlich zu einer Ansammlung von Strohhaufen. Darunter verbirgt sich Thuras Pilzzucht. Vorsichtig kratzt unser Guide das Stroh an einem der Haufen zur Seite. Tatsächlich, sieht aus wie Champignons. Eigentlich verfolgt Thura aber noch höhere Ziele und spart deshalb hart. Sein Traum ist es nämlich, ein paar eigene Ferienhäuser zu bauen, „Bambusschlösser“. Und irgendwie habe ich das Gefühl, dass ihm das auch gelingen wird.

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Thuras ganzer Stolz: Seine Pilze, angeblich ein echter Verkaufsschlager in Myanmar.

Ohne Tempelbesuch ist es kein richtiger Tag in Myanmar

Trotz Thuras Beteuerung, dass wir keine Touristen-Sehenswürdigkeiten besuchen, nehmen wir auf dem Rückweg nach Mandalay natürlich auch einige Tempel und Pagoden mit, die auf dem Weg liegen.

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Die wichtigsten Regeln in buddhistischen Tempeln und anderen religiösen Stätten: Schuhe ausziehen, nie die Mönche berühren, sich angemessen bedecken und bloß nicht die Füße auf Buddha richten.

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Die Pagoden in Myanmar sind besonders farbenfroh gestaltet.

Zu Besuch beim größten Buch der Welt

Nachdem wir noch einen Stopp in einer Werkstatt für Goldblatt gemacht haben, kündigt Thura zum krönenden Abschluss des Tages einen Besuch beim größten Buch der Welt an. Wir sind mäßig begeistert -wie spannend kann ein dickes Buch schon sein?-, möchten aber auch nicht ablehnen. Zum Glück!

Das „Buch“ stellt sich nämlich als die Kuthodaw-Pagode heraus, die aus 729 pavillonartigen Tempeln besteht, die jeweils eine beschriebene Marmorplatte enthalten. Also in der Tat ein sehr spezielles Buch – und ein toller Abschluss eines wunderbaren Tages.

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Im Licht der untergehenden Sonne sehen die Tempel des „größten Buches“ besonders eindrucksvoll aus.

Wer sich für eine spezielle Tour durch Mandalay interessiert, erreicht Thura unter thurathura006@gmail.com oder unter 09-402640706.

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