Im Schatten des Vulkans: Sizilien

Erste Station der Sizilien-Reise: Catania

Die Sizilien-Reise beginnt eigentlich ganz vielversprechend. Am Flughafen in Catania kaufen wir für vier Euro ein Ticket für den Alibus beim Busfahrer. Mit Händen und Füßen fragen wir, wann wir die Piazza Stesicoro erreichen, an der wir uns mit unserer AirBnb-Gastgeberin Nausicaa treffen wollen. Der Fahrer hält fünf Finger hoch, alles klar, in fünf Stationen also. Schon bald erreichen wir die Stadt und kurven durch die schmalen Gassen.

20 Minuten später biegt der Bus allerdings auf eine Schnellstraße ein, die uns vage bekannt vorkommt. Richtig – wir sind wieder auf dem Weg zum Flughafen. Wie sich später herausstellt, hält der Bus nicht automatisch an jeder Haltestelle. Als der Busfahrer uns nach dieser kleinen Rundreise durch Sizilien verwirrt auf der Rückbank sitzen sieht, fängt er lauthals an zu lachen und gestikuliert wild seinem Kollegen gegenüber. Wir dürfen noch einmal umsonst mitfahren – und dieses Mal steigen wir tatsächlich an der richtigen Stelle aus.

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Mit 315.000 Einwohnern ist Catania nach Palermo die zweitgrößte Stadt auf der Insel.

Willkommen in Catania

Trotz von unseres schlechten Starts gefällt Catania uns gut. Als wir ankommen, erholt sich die Stadt gerade vom Vorabend – Ferragosto, der 15. August, ist in Italien ein Feiertag und wird groß gefeiert. Die meisten Italiener nehmen ihren Jahresurlaub um den Tag herum. Deshalb treffen wir auch fast ausschließlich italienische Touristen, andere Nationen sind kaum vertreten.

Wir schlendern durch die Straßen – alles lässt sich hier gut zu Fuß erreichen. Das Eis schmeckt wie erwartet großartig. Den Abend verbringen wir mit Pizza und Weißwein auf der zentralen Piazza del Duomo.

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Ja, die Pizza mit Rucola und Tomaten schmeckt genau so gut wie sie aussieht.

Busfahren in Italien – ein kleines Abenteuer

An der Piazza Stesicoro kaufen wir uns am Kiosk ein Ticket für den Bus. Die Busverbindungen schauen wir auf der Website der Azienda Metropolitana Trasporti Catania, kurz AMT, nach. Die Buslinie 534 verbindet Catania mit dem nahegelegenen Küstenort Aci Trezza. Das Ticket entwertet man im Bus.

Obwohl Aci Trezza nicht weit entfernt ist, dauert die Fahrt fast 40 Minuten und verläuft ziemlich holprig. Beim Bus handelt es sich wohl um ein etwas älteres Modell. Wir fahren immer an der Küste entlang, vorbei an der Burg Aci Castello. Die Endstation ist Piazza delle Scuole Acitrezza – hier steigen wir aus.

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Aci Trezza verfügt über einen kleinen Hafen und einige Badestellen.

Aci Trezza an der Zyklopenküste

Nach wenigen Metern bergab erreicht wir die Küste. Im Meer liegen einige große einzelne Felsen – willkommen an der Zyklopenküste. Der Legende nach segelte der griechische Held Odysseus auf seiner Irrfahrt auch nach Sizilien. Als er die Insel wieder verlassen wollte, warf ihm der einäugige Zyklop Steinbrocken hinterher, um Odysseus an der Abreise zu hindern.

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Die „Zyklopenküste“ bei Aci Trezza verdankt ihren Namen einer Legende aus der griechischen Mythologie.

Sandstrand gibt es hier nicht, nur Felsen, auf denen man aber gut sitzen und sich sonnen oder lesen kann. Das Wasser ist kristallklar, allerdings ist ein bisschen akrobatisches Geschick nötig, um über die glitschigen Steine unfallfrei in die kühlen Fluten zu gelangen.

Taormina – Amphitheater und Isola Bella

Das Amphitheater in Taormina ist bei einer Sizilien-Reise ein Muss. Zum Glück ist das Fernbusnetz auf Sizilien gut ausgebaut. Eine Autovermietung in Catania zu finden wäre zwar nicht weiter schwierig, aber einen Mietwagen wollen wir auf den kurvigen Straßen und in den engen Gassen nicht fahren. Es gibt verschiedene Bus-Unternehmen – wir kaufen uns im Ticket Office von Interbus eine Hin- und Rückfahrkarte für den kommenden Tag. Die Fahrkarten sind grundsätzlich nur einen Tag im Voraus erhältlich.

Die Busfahrt nach Taormina dauert etwa zwei Stunden, was auch daran liegt, dass das letzte Stück sehr steil am Berg liegt. Durch die alten Gassen laufen wir von der Bushaltestelle Richtung Amphitheater. Der Eintritt ist mit 10 Euro nicht ganz billig, der Blick ist aber phänomenal.

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Das Amphitheater in Taormina mit seinem spektakulären Blick über das Mittelmeer ist bei Touristen besonders beliebt.

Die Hotels in Taormina sind förmlich aus dem Boden geschossen. Entsprechend voll ist es auch überall. Mit der Seilbahn fahren wir an den Strand. Auch hier ist es brechend voll, auf dem Kiesstrand ist kein Fleckchen mehr frei.

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Durch die Felsen ist es am Strand von Taormina nicht einfach, ins Wasser zu gelangen.

Zum Glück haben wir strapazierfähige Sandalen dabei, wir müssen nämlich ein ganzes Stück laufen, bis wir einen geeigneten Platz finden. Der Einstieg ins Wasser ist hier durch die Felsen noch schwieriger als in Aci Trezza. Nach einigen Versuchen geben wir auf und begnügen uns mit dem Blick auf die Isola Bella, die man an einer seichten Stelle sogar zu Fuß erreichen kann.

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Die Isola Bella, die „schöne Insel“, liegt vor der Küste von Taormina und kann zu Fuß erreicht werden.

Bei Sonnenuntergang brechen wir auf, um unseren Bus zurück nach Catania zu erwischen. Leider ist die Schlange an der Seilbahn inzwischen so lang, dass wir fast 30 Minuten warten müssen. Gerade noch rechtzeitig erreichen wir die Bushaltestelle.

Italiens größter Vulkan: Auf dem Etna

Früh am nächsten Morgen machen wir uns auf zu Italiens bekanntestem Vulkan, dem Etna. Es gibt jeden Tag einen Bus der Firma AST, der um 8:15 zum Etna und um 16:30 wieder zurückfährt – die einzige Möglichkeit, den Vulkan mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu besuchen. Tickets bekommt ihr nur am gleichen Tag im Ticket Office („Biglietteria“) von AST in der Via Luigi Sturzo 230. Seid am besten früh da, die Tickets sind begehrt. Das Rückfahrticket solltet ihr nicht vergessen.Die Fahrt zum Etna dauert etwa zwei Stunden. Das liegt daran, dass der Bus eine kleine Kaffeepause im Dörfchen Nicolosi auf halber Strecke einlegt.

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Zwischenstopp im Dörfchen Nicolosi: Außer einem Blick auf den Etna ist hier nicht viel los.

Die Strecke ist steil und kurvig, je höher der schwere Bus sich in den engen Gassen schraubt, desto karger wird die Landschaft. An beiden Seiten der Straße liegt Geröll, man erkennt, dass hier einmal heiße Lava geflossen ist. Plötzlich stoppt der Bus am Straßenrand. Aufgeregt deutet der Busfahrer auf einen großen Stein am Straßenrand, der sich als Häuserdach entpuppt, das aus der erkalteten Lava ragt.

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Hoffentlich konnten sich die Bewohner rechtzeitig in Sicherheit bringen, bevor sich die Lavaströme über dieses Haus wälzten…

Am Refugio Sapienza, einer Ansammlung einer Restaurants und Souvenirshops kurz unter dem Gipfel, ist Endstation für den Bus. Von hier aus geht es entweder zu Fuß (nur mit professioneller Wanderkleidung zu empfehlen) oder mit einer Seilbahn weiter. Die Tickets dafür kosten über 30 Euro – ein stolzer Preis.

Oben angekommen ist das erste, was wir sehen, ein Kiosk, in dem man warme Jacken und dicke Socken leihen kann, natürlich ebenfalls kostenpflichtig. Tatsächlich herrschen hier oben nur etwa sieben Grad Celsius, und es ist außerdem ziemlich windig. Wer noch weiter möchte, kann sich nach der Fahrt gegen einen Aufpreis von einem Geländewagen weiter bis direkt Gipfel bringen lassen.

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Blick vom Gipfel: Durch die Geröll-Wüste ziehen sich Schlangenlinien aus Stein. In der Ebene liegt Catania.

Nach der Abfahrt mit der Seilbahn sind es noch gute drei Stunden, bis der Bus zurückfährt. zeit genug, um auf einen der Nebenkrater zu klettern. Absperrungen oder Sicherheitsmaßnahmen gibt es keine – auf dem rutschigen Geröll müssen wir bei dem pfeifenden Wind deshalb gut aufpassen.

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In Wirklichkeit war der Weg auf den Nebenkrater noch steiler als es aussieht. Dafür hat man von oben aber einen spektakulären Blick auf den Etna.

Der anstrengende Aufstieg lohnt sich: Das Wetter ist erfreulich klar, was uns einen spektakulären Blick auf den Etna beschert. Den Rest der Zeit verbringen wir in einem der Cafés – wer nicht wandern möchte, hat nach etwa zwei Stunden nämlich eigentlich alles gesehen.

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Sieht aus wie gemalt: Das Farbenspiel am Etna erinnert an Sandmalerei.

Noto und das Natur-Reservat Vendicari

Die letzte Station unserer Reise führt uns nach Vendicari ins Naturreservat. Mit dem Bus geht es von Taormina in etwa zwei Stunden zuerst nach Noto. Die Altstadt ist Weltkulturerbe, malerische Sandsteingebäude reihen sich aneinander.

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Bei dem Ausblick sind die Spuren der Nacht im 18-Bett-Zimmer im Hostel schnell vergessen.

Mit Händen und Füßen erklärt uns die freundliche Mitarbeiterin in der Touristeninformation, dass ein Mini-Van einmal täglich gegen 1 ins Naturreservat und gegen 6 Uhr abends wieder zurück nach Noto fährt. Zum Glück sind noch zwei Plätze frei – also unbedingt gleich morgens buchen!

Wir sind zwar etwas skeptisch, sind aber trotzdem pünktlich am vereinbarten Treffpunkt. Tatsächlich rollt mit etwas Verspätung ein weißer Van mit einem jungen Italiener am Steuer zwischen die wartenden Fernbusse. Nach 20 Minuten etwas holpriger Fahrt erreichen wir den Parkplatz am Naturreservat. Von hier geht es nur noch zu Fuß weiter.

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Vorbei an kleinen Binnenseen laufen wir über hölzerne Stege Richtung Küste. Zwischendurch hat man überall kleine Holzhäuschen aufgestellt, von denen aus man mit etwas Glück sogar Flamingos beobachten kann.

Der Sandstrand ist fein, das Wasser kann man eher als „naturbelassen“ bezeichnen – schwimmt man ein Stückchen hinaus, ist es aber wieder völlig klar. Vereinzelt sonnen sich italienische Paare, Schatten gibt es kaum – ein Sonnenschirm schadet also nicht.

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Vom Strand aus blickt man auf eine seit 1944 stillgelegte Thunfischfabrik, durch deren Ruinen Besucher streifen dürfen.

Als es uns zu heiß wird, schlendern wir noch eine Weile durch das Reservat. Es ist sehr friedlich hier, vereinzelt schreckt aus den Binsen ein Reiher auf. Touristen begegnen wir kaum – dafür jeder Menge Heuschrecken und Eidechsen.

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Der Torre Seva, ein alter Befestigungsturm aus dem 15. Jahrhundert, wacht über die Badestrände.

Als es Zeit wird, zum Parkplatz zurückzukehren, können wir uns nur schwer trennen. Denn der Abschied aus Vendicari bedeutet gleichzeitig auch das Ende unserer Reise. Eine Nacht werden wir noch in Not verbringen, bevor es am nächsten Tag zurück zum Flughafen in Catania geht.

Meine Route für eine Woche Sizilien

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