La Paz in Bolivien – wie sicher ist die Stadt für Touristen?

La Paz als Frau allein besuchen, ist das nicht viel zu gefährlich?

Zu Hause in Deutschland hatte ich ein bisschen Angst vor La Paz bekommen. Es wimmele von Taschendieben, Raubüberfälle und Kurzzeit-Entführungen seien an der Tagesordnung und so weiter, darüber hatte ich einiges im Internet, im Lonely Planet Bolivien und beim Auswärtigen Amt gelesen. Was hat sich davon bewahrheitet?

Nichts.

Was lernen wir also daraus? Niemals verrückt machen lassen! Wenn ihr aufpasst, ist La Paz eine bunte, lebendige und freundliche Stadt, in der ich mich zu keinem Zeitpunkt auch nur ansatzweise unsicher gefühlt habe.

Frau mit Bowlerhut in La Paz
Indigene Frauen prägen mit ihren typischen runden Bowlerhüten das Stadtbild von La Paz.

Klar, man sollte nicht unbedingt mit dem Geldbeutel herumwedeln und die üblichen Vorsichtsmaßnahmen beachten:

  • keine inoffiziellen Taxis nehmen oder Taxis teilen
  • unsichere Gegenden meiden
  • Wertsachen nicht öffentlich zur Schau stellen
  • nachts nicht ohne Begleitung herumlaufen

Aber das gilt für die meisten anderen Städte in Südamerika schließlich auch.

Bekomme ich Probleme mit der Höhenluft in La Paz?

La Paz liegt auf 3500 Metern über dem Meeresspiegel, der Flughafen El Alto sogar auf 4000 Metern. Vielen Touristen, die direkt aus niedrigen Gebieten anreisen, bereitet die die dünne Luft erst mal Schwierigkeiten. Für Notfälle gibt es aber direkt am Flughafen eine Sauerstoff-Versorgung und medizinische Beratung.

Das Stadtbild von La Paz mit den Anden im Hintergrund
Im Hintergrund beginnen bereits die Anden – zu sehen ist einer der berühmten Sechstausender.

Da ich aus Cusco hergeflogen bin, was auf einer ähnlichen Höhe liegt, hatte ich keine Probleme mit der berüchtigten Höhenkrankheit. Nur beim Treppensteigen oder wenn ich bergauf gelaufen bin, ging mir schnell die Puste aus und mein Herz schlug auch ganz schön schnell. Dafür ist die Aussicht einfach phänomenal. Wann befindet man sich schließlich schon mal auf Augenhöhe mit einem Sechstausender?

Diese Sehenswürdigkeiten in La Paz solltet du auf keinen Fall verpassen:

1) Die Altstadt von La Paz – das Herzstück der Stadt

Sucht euch am besten ein Hostel in der Altstadt von La Paz, in San Pedro. Von dort aus könnt ihr fast alles zu Fuß ablaufen.

Die Straßen von La Paz am frühen Morgen
Früh morgens ist selbst im quirligen La Paz noch nicht viel los auf den Straßen.

Angst davor, allein nach Bolivien zu reisen und auch allein zu bleiben, müsst ihr wirklich nicht haben! Ehe ich es mich versah, steckte ich mitten in einer Stadtbesichtigung mit John aus Liverpool. Er war schon auf meinem Flug von Cusco nach La Paz im Flugzeug und hatte zufällig das gleiche Hostel gebucht.

Gemeinsam versuchten wir zuerst am chaotischen Busterminal von La Paz das Ticket-Office zu finden, an dem John seine Weiterfahrt buchen wollte. Dass wir dabei Erfolg hatten, war eher Glückssache. Von La Paz aus erreicht ihr mit dem Bus alle wichtigen Orte in Bolivien – zum Beispiel Sucre, Potosí oder Uyuni.

Street Art in La Paz
Wie in südamerikanischen Städten findet ihr in La Paz tolle Street Art.

In der Altstadt legt ihr den Stadtplan am besten gleich wieder weg und schlendert ein paar Stunden lang durch die Gassen. An jeder Ecke gibt es etwas neues zu entdecken. Sehenswert ist die Calle Jaen, die für Fußgänger gesperrt ist. Hier sind die kolonialen Bauten besonders gut erhalten.

Auf der Plaza Murillo könnt ihr gut Leute zu beobachten. Der zentrale Platz dient vielen Bolivianern als Treffpunkt für einen morgendlichen Plausch. Nur die vielen Tauben waren mir ein bisschen zu aufdringlich.

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Tauben füttern ist eine beliebte Beschäftigung für Kinder an der Plaza Murillo.

Die Kirche San Francisco ist sozusagen das Herz der Altstadt von La Paz. Auf dem Weg dorthin begegnete uns mal wieder eine religiöse Prozession, deren Anlass wir nicht identifizieren können.

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Um den Anlass für diese Prozession zu erfragen, reicht unser Spanisch leider nicht aus.

Wer mehr Zeit hat, sollte sich unbedingt auch noch die Stadtteile Zona Sur und Sopocachi ansehen.

2) Tote Lama-Babys und Zauberkräuter auf dem Hexenmarkt von La Paz

Hinter der Kirche von San Francisco beginnt die berühmteste Straße von La Paz: die Calle Linares, in der der Hexenmarkt von La Paz (Witches Market) liegt. Nehmt euch viel Zeit, um euch durch die Stände und Läden zu wühlen – die besten Sachen entdeckt ihr wahrscheinlich durch Zufall.

Schauriges Highlight auf dem Hexenmarkt: die getrockneten Lama-Föten, die man nach einem alten Aberglauben in jede Ecke seines Hauses einmauern soll. Ich würde mal bezweifeln, dass das tatsächlich noch so ist, aber man weiß ja nie.

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Ja, diese toten Lama-Babys sind echt.

In den Straßen um den Hexenmarkt könnt ihr wunderbar Alpaka-Wollsachen, Silberschmuck und die typischen bunten gewebten Waren des Anden-Hochlandes kaufen. Es lohnt sich, ein paar Händler zu vergleichen und nicht einfach das Billigste zu kaufen.

3) In La Paz spielt das Leben auf der Straße

Das Spannendste in La Paz ist das, was auf der Straße passiert. Unzählige Straßenstände bieten alles an, was ihr euch an Andenken, Lebensmitteln und Alltagsgegenständen nur vorstellen kann. Hier sieht man auch deutlich mehr Indigenas als in Peru. Sie tragen die klassischen runden Bowlerhüte und schleppen Massen von Waren in großen bunten Tüchern auf dem Rücken.

Straßenstand in La Paz in Bolivien
Supermärkte muss man in La Paz wirklich suchen – dafür bekommt man alles direkt an einem der unzähligen Straßenstände.

Alle paar Sekunden biegt ein knallig buntes Colectivo hupend um die Ecke, bei dem eine Person sich gewagt weit aus dem Fenster lehnt und das Ziel verkündet. Noch im Fahren springen Leute auf oder steigen aus.

Colectivo in La Paz
Gar nicht so einfach für das Colectivo, sich die steilen Straßen in La Paz hinaufzuquälen!

Der Verkehr ist ziemlich chaotisch. Zum Glück habe ich mir in Vietnam ein paar gute Skills im Straßenüberqueren antrainiert. Immer drauflos, und im Zweifel einfach an ein paar Bolivianer hängen, das funktioniert meistens einigermaßen.

4) Mit der Seilbahn von La Paz nach El Alto fahren

Seit 2014 hat La Paz ein besonders einfallsreiches zusätzliches Verkehrssystem – die Teleférico, eine Standseilbahn. Drei Linien (rot, gelb, grün) verbinden die verschiedenen Stadtteile miteinander. Ich habe die rote Linie hoch nach El Alto genommen, früher ein Stadtteil von La Paz, seit einigen Jahren aber eigenständig.

Die Seilbahn in La Paz stammt aus Deutschland
Wie mir ein netter älterer Bolivianer erklärt, ist diese Seilbahn „made in Germany“.

Eine einfache Fahrt kostet 3 Bolivianos, also nicht mal 50 Cent. Tickets kauft ihr einfach am Schalter. Wer länger in der Stadt ist, kann zwischen verschiedenen wiederaufladbaren Karten wählen. Noch in der Gondel sprach mich ein älterer Herr auf Spanisch an. Meine erste Konversation, die tatsächlich länger als zwei Sätze ging!

Er warnte mich, dass El Alto sehr gefährlich ist und bestand darauf, dass ich mir nur die Aussichtsplattform ansehe, bei der er mich gleich persönlich ablud. Ansonsten war das Gespräch zwar eher einfach gestrickt, die Themen sind unter anderem Sonnencreme, seine Arbeit als Anwalt und das Wetter (in El Alto ist es natürlich viel schlechter als in der Zona Sur) – aber es beweist mir erneut, dass eine überwältigende Mehrheit der Menschen auf der Welt nichts Böses im Sinn hat.

Teleferico, die Stand-Seilbahn von La Paz
La Paz selbst liegt schon auf 3500 Metern – entsprechend beeindruckend ist die Aussicht vom noch höher gelegenen El Alto.

Das Essen in La Paz ist ein kulinarisches Erlebnis

Auf den vielen Märkten und an Straßenständen gibt es jede Menge leckerer Sachen und Street Food. Außerdem kann ich zwei Restaurants empfehlen: Tierra Sana und Namas Te. Wer in La Paz vegetarisch essen möchte, kommt hier besonders auf seine Kosten. Unbedingt probieren solltet ihr im Tierra Sana das vegetarische Quinoa-Sushi, ein sehr leckerer kulinarischer Kultur-Mix.

Restaurant in La Paz
Namas Te hat kein indisches Essen im Angebot, aber tolle vegetarische und vegane Gerichte.

Achtung: Leitungswasser in Bolivien ist nicht immer sicher, also unbedingt auf abgefülltes Wasser umsteigen.

Welches Hostel in La Paz ist das beste?

Hostels in La Paz gibt es jede Menge, für jeden Geschmack und jedes Budget. Ich habe mich für Loki La Paz entschieden. Das ist eine Kette mit Hostels in ganz Südamerika, die auch einen Airport Transfer anbieten. Ich hatte von anderen Reisenden wenig Gutes gehört: ein Partyhostel, in dem die Südamerika-Backpacker das Hostel nicht verlassen, sondern nur an der Bar abhängen, laute Musik aus der Bar im siebten Stock bis in die Morgenstunden und so weiter…

Ich war allerdings echt zufrieden mit meinem 4-Bed-Dorm im zweiten Stock mit seinen Fenstern bis zum Boden. Ein bisschen habe ich von der Musik gehört, aber dafür gibt es ja Ohrstöpsel. Nur direkt unter der Bar war die Geräuschkulisse echt übel. Die Betten waren gemütlich, es gab immer heißes Wasser, was absolut keine Selbstverständlichkeit in Südamerika ist, und die Bar ist tagsüber ein Aufenthalts-/Frühstücksraum mit tollem Ausblick.

Also: Du musst unbedingt nach La Paz reisen!

Ich hätte auf jeden Fall noch ein paar Tage mehr hier verbringen können. Stattdessen ging es am dritten Tag weiter nach Sucre. Aber ich muss sowieso noch einmal wiederkommen – schließlich bin ich noch nicht die berüchtigte Death Road, die „gefährlichste Straße der Welt“, mit dem Rad heruntergerast…

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