La Paz – Auge in Auge mit den Sechstausendern

Dein Herz schlägt schneller: La Paz liegt 3500 Meter über dem Meeresspiegel

La Paz liegt auf 3500 Metern über dem Meeresspiegel, der Flughafen El Alto sogar auf 4000 Metern. Vielen Touristen, die direkt aus niedrigen Gebieten anreisen, bereitet die die dünne Luft erst mal Schwierigkeiten. Für Notfälle gibt es aber direkt am Flughafen eine Sauerstoff-Versorgung und medizinische Beratung.

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Was viele nicht wissen: Nicht La Paz ist die Hauptstadt von Bolivien, sondern Sucre.

Da ich aus Cusco hergeflogen bin, was auf einer ähnlichen Höhe liegt, hatte ich keine Probleme mit der berüchtigten Höhenkrankheit. Nur beim Treppensteigen oder wenn ich bergauf gelaufen bin, habe ich gemerkt, dass mir schnell die Puste ausging und mein Herz ganz schön schnell schlug. Dafür ist die Aussicht einfach phänomenal. Wann befindet man sich schliesslich schon mal auf Augenhöhe mit einem Sechstausender?

La Paz allein als Frau, ist das nicht viel zu gefährlich?

Zu Hause in Deutschland hatte ich einigen Respekt vor La Paz bekommen. Gefährlich, Taschendiebe überall, Raubüberfälle und Kurzzeit/Entführungen an der Tagesordnung und so weiter, darüber hatte ich einiges im Internet, im Lonely Planet Bolivien und beim Auswärtigen Amt gelesen. Was hat sich davon bisher bewahrheitet hat? Nichts.

Was lernen wir also daraus? Niemals verrückt machen lassen! Wenn man aufpasst, ist La Paz eine bunte, lebendige und freundliche Stadt, in der ich mich zu keinem Zeitpunkt auch nur ansatzweise unsicher gefuehlt habe.

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Klar, man sollte nicht unbedingt mit dem Geldbeutel herumwedeln und die üblichen Vorsichtsmaßnahmen beachten: keine inoffiziellen Taxis nehmen oder Taxis teilen, einige Gegenden meiden, Wertsachen nicht öffentlich zur Schau stellen usw. Aber das gilt für die meisten anderen Städte hier schließlich auch.

Die Altstadt von La Paz – das Herzstück der Stadt

Mein Hostel liegt in der Altstadt von La Paz, in San Pedro. Von dort aus kann ich fast alles zu Fuß ablaufen.

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Früh morgens ist selbst im quirligen La Paz noch nicht viel los auf den Straßen.

Ehe ich es mich versehe, stecke ich schon mitten in einer Stadtbesichtigung mit John aus Liverpool, der schon auf meinem Flug von Cusco nach La Paz war und zufaellig das gleiche Hostel gebucht hat. Dabei wollte ich eigentlich nur wissen, woher er eigentlich seinen Stadtplan hat. Gemeinsam laufen wir zuerst zum ziemlich chaotischen Busterminal. Hier den richtigen Stand zu finden, ist eher Glückssache als wirklich einem guten Orientierungssinn zu verdanken. Von hier erreicht man alle wichtigen Orte in Bolivien.

(Da John versehentlich seine Kreditkarte im Geldautomaten am Flughafen vergessen hat, müssen wir zwischendurch noch eine Stunde für Schadensbegrenzung einschieben. Heißt im Klartext im Stechschritt zurück zum Hostel…).

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Street Art gibt es in La Paz wie in (fast) jeder anderen südamerikanischen Stadt auch.

In der Altstadt legt man den Stadtplan am besten gleich wieder weg und schlendert einfach durch die Gassen. Hier kann man problemlos ein paar Stunden verbringen Sehenswert ist die Calle Jaen, die für Fußgänger gesperrt ist. Hier sind die kolonialen Bauten besonders gut erhalten. An den meisten anderen Häusern bröckelt die Fassade allerdings.

Aus dem ursprünglichen Plan, auf der Plaza Murillo die Leute zu beobachten, wird erst mal nichts – die vielen Tauben sind mir doch ein bisschen zu aufdringlich.

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Tauben füttern ist eine beliebte Beschäftigung für Kinder an der Plaza Murillo.

Stattdessen geht es weiter zur Kirche San Francisco, die sozusagen das Herz der Altstadt von La Paz ist. Auf dem Weg dorthin begegnet uns mal wieder eine religiöse Prozession, deren Anlass wir auch dieses Mal nicht identifizieren können.

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Um den Anlass für diese Prozession zu erfragen, reicht unser Spanisch leider nicht aus.

Auf dem Hexenmarkt von La Paz

Unweit von San Francisco beginnt die wohl berühmteste Strasse von La Paz: die Calle Linares, in der sich der Hexenmarkt von La Paz (Witches Market) befindet. Der Name verspricht mehr als er tatsächlich hält. Wahrscheinlich muss man sich wirklich mit viel Zeit durch die Stände und Läden graben, aber einige kuriose Dinge fallen sofort ins Auge. Darunter die getrockneten Lama-Föten, die man nach einem alten Aberglauben in jede Ecke seines Hauses einmauern soll. Ich würde mal bezweifeln, dass das tatsächlich noch so ist, aber man weiß ja nie.

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Ja, diese toten Lama-Babys sind echt.

In den Straßen um den Hexenmarkt lässt es sich gut Alpaka-Wollsachen, Schmuck und andere Mitbringsel aus dem typischen bunten Stoff aus dem Anden-Hochland kaufen. Es lohnt sich, ein paar Händler zu vergleichen und nicht einfach das Billigste zu kaufen.

In La Paz spielt das Leben auf der Strasse

Das Spannendste in La Paz ist das, was auf der Strasse passiert. Unzählige Straßenstände bieten alles an, was man sich an Andenken, Lebensmitteln und Alltagsgegenständen nur vorstellen kann. Hier sieht man auch deutlich mehr Indigenas mit den klassischen Bowlerhüten als in den peruanischen Städten, die in großen bunten Tüchern ihre Waren auf dem Rücken tragen

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Supermärkte muss man in La Paz wirklich suchen – dafür bekommt man alles direkt an einem der unzähligen Straßenstände.

Hupend fährt alle paar Sekunden ein knallig buntes Colectivo vorbei, bei dem eine Person sich gewagt weit aus dem Fenster lehnt und das Ziel verkuendet. Noch im Fahren springen Leute auf oder steigen aus.

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Der Verkehr ist ziemlich chaotisch. Zum Glück habe ich mir in Vietnam ein paar gute Skills im Straßenüberqueren antrainiert. Immer drauflos, und im Zweifel einfach an ein paar Bolivianer hängen, das funktioniert meistens einigermaßen.

Mit der Seilbahn von La Paz nach El Alto

Seit 2014 hat La Paz ein besonders einfallsreiches zusätzliches Verkehrssystem – die Teleférico, eine Standseilbahn. Drei Linien (rot, gelb, grün) verbinden die verschiedenen Stadtteile miteinander. Ich fahre mit der roten Linie hoch nach El Alto, früher ein Stadtteil von La Paz, seit einigen Jahren aber ein eigenständiger Stadtteil.

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Wie mir ein netter älterer Bolivianer erklärt, ist diese Seilbahn „made in Germany“.

Eine einfache Fahrt kostet 3 Bolivianos, also nicht mal 50 Cent. Tickets kauft man einfach am Schalter. Wer länger in der Stadt ist, kann zwischen verschiedenen wiederaufladbaren Karten wählen. Noch in der Gondel spricht mich ein älterer Herr auf Spanisch an. Meine erste Konversation, die tatsächlich länger als zwei Sätze dauert!

Er warnt mich, dass El Alto sehr gefährlich ist, also beschränke ich mich auf die Aussichtsplattform (was sowieso nur mein Plan war), zu der er mich gleich persönlich bringt. Ansonsten ist das Gespräch zwar eher einfach gestrickt, die Themen sind unter anderem Sonnencreme, seine Arbeit als Anwalt und das Wetter (in El Alto ist es natürlich viel schlechter als in der Zona Sur) – aber es läuft!

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La Paz selbst liegt schon auf 3500 Metern – entsprechend beeindrucken ist die Aussicht vom noch höher gelegenen El Alto.

Wer mehr Zeit hat, sollte sich unbedingt auch noch die Stadtteile Zona Sur und Sopocachi ansehen.

Essen in La Paz

Jede Menge leckerer Sachen und Street Food gibt es natürlich auf den vielen Märkten und an Straßenständen. Ansonsten kann ich zwei Restaurants empfehlen: Tierra Sana und Namas Te. Wer in La Paz vegetarisch essen möchte, kommt hier besonders auf seine Kosten. Unbedingt probieren solltet ihr das vegetarische Quinoa-Sushi im Tierra Sana, ein sehr leckerer kulinarischer Kultur-Mix.

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Namas Te hat kein indisches Essen im Angebot, aber tolle vegetarische und vegan Gerichte.

Leitungswasser in Bolivien ist nicht immer sicher, also unbedingt auf abgefülltes Wasser umsteigen.

Welches Hostel in La Paz ist das beste?

Hostels in La Paz gibt es jede Menge, für jeden Geschmack und jedes Budget. ich habe mich für Loki La Paz entschieden, eine Kette mit Hostels in ganz Südamerika, die auch einen Airport Transfer anbieten. Ich hatte von anderen Reisenden wenig Gutes gehört, ein Partyhostel, in dem die Südamerika-Backpacker das Hostel nicht verlassen, sondern nur an der Bar abhängen, laute Musik aus der Bar im siebten Stock bis in die Morgenstunden und so weiter…

Ich war allerdings echt zufrieden mit meinem 4-Bed-Dorm im zweiten Stock mit seinen Fenstern bis zum Boden. Ein bisschen habe ich von der Musik gehört, aber dafür gibt es ja Ohrstöpsel. (Ok, direkt unter der Bar war die Geräuschkulisse echt übel…) Die Betten waren gemütlich, es gab immer heißes Wasser (absolut keine Selbstverständlichkeit in Südamerika) und die Bar ist tagsüber ein Aufenthalts-/Frühstücksraum mit tollem Ausblick.

Fazit: La Paz hat mir richtig gut gefallen! Ich hätte glatt noch ein paar Tage mehr hier verbringen können. Stattdessen ging es am dritten Tag mit dem Flugzeug weiter nach Sucre. Aber vielleicht war es ja nicht der letzte Besuch hier. Schließlich bin ich noch nicht die berühmt-berüchtigte Death Road, die „gefährlichste Straße der Welt“, mit dem Rad heruntergefahren…

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Einmal im Leben – der Salar de Uyuni

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> Sucre, das weiße Paradies

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