Wieso Hiroshima zum Pflichtprogramm für jeden Japan-Besuch gehört

Hiroshima ist ein unvorstellbar trauriges Stück Menschheitsgeschichte

Hiroshima, 6. August 1945: Um 8:16 Uhr und 2 Sekunden explodiert in 600 Metern Höhe die Atombombe „Little Boy“. Keine 60 Sekunden später sind 80 Prozent der Innenstadt von Hiroshima dem Erdboden gleich gemacht und mindestens 70.000 Menschen tot. Noch den folgenden Wochen, Monaten und Jahren sterben Tausende Menschen an den Spätfolgen. Heute, fast 75 Jahre später, hat sich die Stadt ganz dem Einsatz für den Frieden verschrieben – unter dem Wahlspruch „Never again“. Der wichtigste Grund, wieso jeder einmal im Leben Hiroshima besuchen sollte.

Hiroshima ist ein Symbol für Hoffnung, die aus Trümmern entsteht

Wenn du in Hiroshimaauch heute noch Ruinen und Trümmer erwartest, wirst du überrascht: Die Stadt ist vollständig wieder aufgebaut. Im Zentrum der Explosion hat nur die „Halle zur Förderung der Industrie der Präfektur Hiroshima“ den Abwurf der Atombombe „Little Boy“ durch den Bomber Enola Gay überstanden. Heute kennt man das Gebäude als Atomic Bomb Dome von Hiroshima, kurz A-Bomb Dome.

Atombombendom in Hiroshima, Japan
Oft ist der Name fälschlicherweise als „Atombomben-Dom“ übersetzt. Tatsächlich verdankt der A-Bomb Dome seinen Namen der Kuppel (englisch „dome“), von der nur das stützendes Geflecht aus Stahlträgern erhalten ist.

Heute liegt der A-Bomb Dome mitten im neuen Friedenspark, wo auch ein Friedensdenkmal an die Opfer erinnert. Der A-Bomb Dome wurde 1996 zum UNESCO-Welterbe erklärt – er sei ein“starkes Symbol der zerstörerischsten Kraft (…), die je von der Menschheit geschaffen wurde;“ es drücke zudem „die Hoffnung auf Weltfrieden und der endgültigen Beseitigung aller Kernwaffen aus.“

Hiroshima in Japan
Hiroshima ist heute eine grüne Stadt. Auf den ersten Blick erinnert am Ota-gawa-Fluss kaum noch etwas an die Atombombe, die die Stadt fast völlig zerstörte.

Den Friedenspark („Peace Memorial Park„) erreichst du vom Bahnhof aus mit einem Fußmarsch in weniger als einer halben Stunde. Du kannst auch mit der Straßenbahn bis zur Haltestelle Genbaku Dome mae fahren. Wären die vielen Denkmäler nicht, die an die Opfer der Atombombe erinnern, wäre Hiroshima eine Stadt wie jede andere in Japan: viele junge Japaner sitzen auf den Bänken am Ufer des Ota-gawa-Flusses, jemand spielt Gitarre, die Sonne scheint.

Direkt am „Atombombendom“ liegen ein paar Hefter mit eingeschweißten Info-Blättern aus, in denen du dich über Atombombenabwurf, die unmittelbaren und die späteren Folgen der Katastrophe informieren kannst. Fotografien zeigen die Stadt vor dem 6. August 1945 und direkt danach. Ein Bild der absoluten Zerstörung, das du nur schwer wieder aus dem Kopf bekommst.

In Hiroshima erinnert ein ewiges Feuer an die Toten

Mehrere Denkmäler im Friedenspark sind genau auf einer Linie ausgerichtet, darunter die Friedensgedenkhalle und der Kenotaph, eine Art Scheingrab, in dem die Namen der Toten symbolisch für ihre Körper aufbewahrt werden. Die „Flamme des Friedens„, ein ewiges Feuer, brennt dort seit dem 1. August 1964 ohne Pause.

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Durch den Zenotaph, ein Scheingrab, blickst du direkt auf den A-Bomb Dome.

Die Geschichten der Augenzeugen sind kaum zu ertragen – und doch unglaublich wichtig

In der Friedensgedenkhalle sind weitere Bilder ausgestellt, die die Stadt vor und nach der Explosion zeigen. In einem dunklen Raum unter der Erde laufen Videos mit Zeitzeugenberichten, die die Explosion überlebten und noch tagelang verzweifelt nach ihren Angehörigen suchten oder als Ärzte in Krankenlagern um das Leben der Opfer kämpften.

Die Geschichten sind kaum zu ertragen. Ein junges Mädchen im Hiroshima-Video erzählt, wie es mit seiner Schwester, deren Augen zuggeschmolzen sind, voll Verzweiflung vor der Hitze über den Fluss flieht. Ein Zahnarzt muss darüber sprechen, wie er in den Trümmern seinen Hauses nur noch den Schädel seiner Frau bergen kann. „Never again“ – wie wichtig dieser Wahlspruch ist, den die Stadt sich auf die Fahnen geschrieben hat, wird nirgends so deutlich wie hier unten unter dem „Ground Zero“.

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Die Zeiger dieser gläsernen Uhr stehen genau auf 8:16 Uhr – der Zeitpunkt zu dem die Atombombe explodierte. Darunter liegt die Gedenkhalle.

So kommst du hin: mit dem Shinkansen nach Hiroshima

Der Bahnhof von Hiroshima liegt an der Shinkansen-Strecke. Eine Hiroshima-Tour schaffst du mit dem Schnellzug in einem  Tagesausflug ab Kyoto oder Osaka. Wenn du von Kyoto ohnehin in den Süden von Japan nach Kyushu reist oder auf dem Rückweg von Kyushu nach Tokyo bist, kannst du in Hiroshima einen kurzen Stop von 2-3 Stunden einlegen. Das macht vor allem Sinn, wenn du mit dem Japan Rail Pass reist, weil du dann einfach aussteigen und später einen der nächsten Züge nehmen kannst. Dein Gepäck kannst du ganz bequem in Hiroshima am Bahnhof einschließen.

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