Wieso Trekking im Colca Canyon in Peru dich an deine Grenzen führt

Colca Canyon – organisierte Tour oder Trekking auf eigene Faust?

Der Colca Canyon ist der zweittiefste Canyon der Welt. Die nächstgelegene Stadt ist Arequipa. Von dort aus habt ihr zwei Möglichkeiten, das Herz des Canyons zu erreichen:

  1. Auf eigene Faust: Ihr fahrt mit dem öffentlichen Bus. Durch Umsteigen, viele Haltestellen und noch mehr Passagiere dauert das gut 7 Stunden
  2. Mit einer geführten Wander-Tour. Wir haben die Tour über unser Hostel in Arequipa gebucht: Hin- und Rücktransport, erfahrener Wander-Guide, alle Mahlzeiten und eine Übernachtung im Colca Canyon kosten so umgerechnet 30 Euro. Pluspunkt: Die Anfahrt schafft ihr so in 3 Stunden. 

Touren zum Colca Canyon bieten alle Travel-Agenturen in Arequipa an. Bucht ihr über euer Hostel, bezahlt ihr meist ein bisschen mehr. Dafür könnt euch aber einigermaßen darauf verlassen, dass ihr einen guten Anbieter und ein sicheres Fahrzeuge erwischt und zusätzlich zum eigentlichen Guide ein extra Fahrer dabei ist.

2 Tage Trekking-Tour im Colca-Canyon – so läuft es ab

3 Uhr morgens: Abfahrt zum Canyon

Im Hostel versammeln sich an der Rezeption einige verschlafene Gestalten, die zum Glück auch alle nicht sonderlich professionell aussehen. Jeder hat einen kleinen Rucksack mit dem Nötigsten dabei und natürlich Trekking-Stiefel im Gepäck. Guide Nelson, den wir so nennen dürfen, weil seinen Quechua-Namen sowieso keiner aussprechen kann, lotst uns zu ein paar anderen Leuten in einem Van. Das Anden-Abenteuer beginnt.

Soweit ich das im Stockdunkeln beurteilen kann, wagt der Fahrer namens Mexican Boy keine überdurchschnittlich waghalsigen Manöver auf der holprigen Straße, die einspurig immer direkt am Abhang entlang führt und zwischendurch sogar fast die 5000 Meter knackt. Über Leitplanken und Tunnel-Beleuchtung lächeln die meisten Peruaner vermutlich nur müde.

6 Uhr morgens: Cruz del Condor – wo der Kondor fliegt

Nach 3 Stunden auf einer fragwürdigen Anden-Piste sind wir ordentlich durchgeschüttelt, als wir gegen 6 das kleine Dorf Chivay erreichen. Hier frühstücken wir, danach halten wir an einigen View Points, um den Flug des Kondors zu beobachten. Aber Fehlanzeige: Der Riesen-Vogel ist scheinbar noch nicht aufgestanden. Die Aussicht über den Colca Canyon ist dafür bombastisch und raubt mir vorübergehend den Atem. Und zwar nicht nur wegen der dünnen Luft hier oben.

Aussichtspunkt für den Cruz del Condor im Colby Canyon in Peru
In diesem Teil der Anden gibt es nur wenige Berge unter 5000 Metern. Unglaublich, wie winzig und unbedeutend wir uns plötzlich fühlen.

10 Uhr: „And then it’s flat, just a little up and down“

Das eigentliche Colca Canyon Trekking beginnt gegen halb 10 in Pampa San Miguel am oberen Rand des Colca Canyon auf 3280 Metern. Gut, dass wir uns zwei Tage in Arequipa an die Höhe gewohnt haben.

Als die Gruppen verteilt werden, beschleicht mich ein mulmiges Gefühl. Die Leute sind super, zwei Holländer, fünf Briten, ein Schwede und wir, alle zwischen 25 und 30 und ziemlich witzig – aber sie berichten sich schon gegenseitig begeistert von ihren Extrem-Bergtouren. Okay, ich war ja auch schon mal in Tirol…

12 Uhr: „Eigentlich ist die Strecke meistens flach“

Nachdem wir ungefähr drei Liter Sonnencreme aufgetragen haben, geht es los – drei Stunden abwärts zum Boden des Canyons, über Wege voll Geröll, manchmal über Felsen, immer an der Schlucht entlang. Der Blick auf die gegenüberliegende Seite des Canyons ist atemberaubend. Die Sonne brennt unerbittlich auf den Colca Canyon, nach zwei Stunden wird es richtig anstrengend.

Weg durch den Colby Canyon in Peru
Immer am Abgrund entlang – gesichert sind die Wege im Colca Canyon nicht.

Die Gruppe verteilt sich nach und nach. Tatsächlich treffen wir uns aber alle zweieinhalb Stunden später und 1000 Meter tiefer wieder. Nach einer weiteren sehr anstrengenden Stunde, in der es „eigentlich flach ist, aber auch ein bisschen auf und ab geht“, was in diesem Fall Höhenunterschiede von 100 Metern bedeutet, gibt es Mittagessen in einem kleinen Guesthouse.

Meine Lungen brennen. Ich beginne an meinen Wanderkünsten zu zweifeln. Meine Versuche, den anderen beruhigende Worte zu entlocken, scheitern – es soll am nächsten Tag drei Stunden nur bergauf gehen. Ich erinnere mich dunkel, das beim Überfliegen der Routen-Beschreibung gelesen zu haben.

Die Wanderung ist anstrengend, aber die Aussicht über die uralten Inka-Terrassen ist wirklich spektakulär.

14 Uhr: Guide Nelson kennt kein Erbarmen

Eine Stunde Pause, dann scheucht Guide Nelson uns wieder auf den Wanderweg. Auf und ab kämpfen wir uns auf kleinen Trampelpfaden durch das Gestrüpp an der Seitenwand des Canyons, natürlich nicht ohne einen ordentlichen Aufstieg. Zwischendurch gucken wir Avocado-Pflanzen an und erfahren viel Interessantes über Peru.

Als es zwischendurch donnert, erklärt Nelson: Das sind die Minen, in denen etwas gesprengt wird – Bergbau, legal und illegal, ist das größte Gewerbe in Peru. 

17 Uhr: Ob ich mir am nächsten Tag ein Maultier nehme?

Nach drei weiteren Stunden und noch einem richtig anstrengenden Anstieg erreichen wir endlich die Oase Sangalle am Grund des Canyons, in der wir übernachten werden.

Oase Sangalle im Colca Canyon
Und auf dem Weg links wird es am nächsten Tag wieder aufwärts gehen…

Insgesamt legen wir 12 Kilometer zurück, die sich aber eher wie 20 anfühlen. Ich spiele mit dem Gedanken, den Aufstieg am Tag auf dem Rücken eines Maultiers zu machen. Mein Freund lächelt nur müde und zeigt auf meine staubigen Wanderschuhe. Mist.

Die Unterkunft ist sehr einfach ausgestattet: Steinhütten mit je ein paar Betten, keine Elektrizität und nur kaltes Wasser. Warmwasser ist in Peru übrigens ein kostbares Gut, auf das Hostel-Beschreibungen immer stolz hinweisen. Nach dem Essen fallen wir direkt ins Bett – für den tollen Sternenhimmel haben wir kaum Augen.

5 Uhr morgens: Ein Aufstieg ersetzt eine Million Kniebeugen

Fast gleichzeitig klingeln um 20 nach 4 in der Frühe die Wecker in allen Hütten. Rucksack packen, schnell ein paar Erdnüsse und Trockenfrüchte einwerfen, bloß keine Zeit verlieren. Bis die Sonne aufgeht, müssen wir oben sein, wenn wir nicht gegrillt werden wollen.

Der Aufstieg bringt mich körperlich an meine Grenzen. 1000 Höhenmeter in drei Stunden, im Zickzack am Berg entlang, keine geraden Strecken, nur steil aufwärts. Der Weg besteht aus Geröll. Oft bilden die Felsbrocken eine Art natürliche Treppe, nur dass die „Stufen“ mindestens einen halben Meter hoch sind. Nur weiter, ein Schritt nach dem anderen. Wir sind ja gleich oben, denke ich, als ein vorbeikommender Guide uns ermutigend zuruft, dass es nur noch 30-40 Minuten bis zur Hälfte sind. Oh. Mein. Gott.

Doch als ich selbst schon nicht mehr daran glaube, liegt tatsächlich das Gipfelkreuz vor uns. Der superfitte Großteil der Gruppe ist schon seit 45 Minuten oben, als wir eintreffen. Brite Conor ist stocksauer, weil Schwede Kristoffer scheinbar geheime Wander-Superkröfte hat und ihn überholt hat und spricht fortan kein Wort mehr mit ihm. Die Holländer stützen sich lässig auf ihre Wanderstöcke, tauschen Trekking-Tipps aus und sehen aus, als würden sie nebenberuflich für einen Outdoor-Hersteller modeln.

8 Uhr morgens: Mal sehen, wann ich mich wieder bewegen kann

Ich habe das Gefühl, dass ich keinen Meter mehr gehen kann. Meine Beine fühlen sich an wie nach einer Million Squats. Aber: Wir haben es geschafft – und zwar mit unseren eigenen Beinen. Ziemlich gutes Gefühl.

Nach dem Frühstück in dem nahegelegenen Dorf Cabanaconde geht es mit dem Bus Richtung Arequipa zurück. Wir erfahren, dass nur etwa ein Fünftel aller Besucher im Colca Canyon es überhaupt nach Cabanaconde schafft. Viele Touren kehren schon beim Cruz del Condor um. Umso ruhiger und authentischer ist es hier.

Unterwegs stoppen wir bei den natürlichen heißen Quellen von La Calera. Für 10 Minuten fühlen sich meine Muskeln an als würden sie sich innerhalb der nächsten drei Wochen doch mal wieder bewegen.

La Calera Hot Springs in Peru
Eine Wohltat für die geplagten Muskeln: La Calera Hot Springs.

15 Uhr: Lama-Streicheln für die Seele

Nachmittags, schon halb in Arequipa, halten wir auf 4800 Metern. Die Luft zum Atmen ist dünn, die Außentemperaturen können auch höher sein, dafür grasen hier jede Menge puscheliger Lamas und Alpakas.

Lama und Alpaka in Peru
Links das Alpaka, rechts das Lama – oder doch umgekehrt?

Zum Schluss legt Fahrer Mexican Boy noch einige spektakuläre Überholmanöver hin. Ein paar Mal stoppen wir mitten im Nirgendwo, weil der Reifen komische Geräusche macht, Nelson darf trotz fehlendem Führerschein auch mal ans Steuer und kurz vor unserer Ankunft in Arequipa verlieren wir fast die Hintertür. Nur dank dem geistesgegenwärtigen Einsatz einer Britin kann Mexican Boy den Van in einem Stück abliefern. Für uns zählt aber sowieso nur eins: endlich schlafen.

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