3 Tage in Marrakesch: Das musst du gesehen haben

Marokko ist nur vier Flugstunden von Deutschland entfernt und zumindest in Marrakesch in weiten Teilen sehr touristisch. Trotzdem tauchst du hier in eine ganz andere Welt ein. Mich hat der Trubel in den engen Gassen der Medina zuerst einmal ganz schön umgehauen, mein Kopf kam gar nicht damit hinterher, die vielen bunten, lauten, wuseligen Eindrücke zu verarbeiten.

In diesem Artikel erfährst du, wie du drei stressfreie Tage in Marrakesch verbringst und hinterher entspannt und um viele neue Eindrücke reicher nach Hause kommst. Pro-Tipp: Nimm dir nicht zu viel vor, schaff dir bewusst Ruhepausen und hetz nicht von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten. Die größte Sehenswürdigkeit der Stadt ist das Leben in den Straßen. Und dafür brauchst du Zeit, in der du dich einfach treiben lassen kannst, ohne zu wissen, wo du am Ende landest.

Im Idealfall planst du 4-5 Tage für deinen Trip nach Marrakesch und kannst so noch einen Tagesausflug ins Umland einbauen. 

Als Frau alleine nach Marrakesch reisen?

Ich hatte zugegeben Bedenken und habe deshalb meine Reise nach Marokko immer nach hinten geschoben. Ich kann dich aber beruhigen: Egal, ob du allein, mit PartnerIn oder als Gruppe nach Marrakesh fährst, du wirst dich innerhalb der Altstadt völlig sicher fühlen. Das „Schlimmste“, was ich erlebt habe: aufdringliche Verkäufer, ein „F*** y** crazy lady“ nach einer von mir ignorierten Aufforderung, mehr zu lächeln – und einem etwas mulmigen Gefühl in einer Straße, in der ausschließlich Männer unterwegs waren oder in Gruppen vor den Geschäften standen. Passiert ist aber außer ein paar blöden Sprüchen, über die ich mich ein bisschen geärgert habe, wie gesagt nichts.

Die Menschen in Marrakesch sind freundlich und hilfsbereit und davon abgesehen sind auch sehr viele andere Touristen unterwegs, die du um Hilfe bitten kannst zum Beispiel für ein Erinnerungsfoto).

Gesunder Menschenverstand schadet natürlich nie. Wenn du etwas nicht möchtest oder kein gutes Bauchgefühl hast, dann lass es lieber, aber das gilt für Marrakesch genauso wie für jeden anderen Ort dieser Welt. Wenn du das erste Mal allein reist, ist Marrakesch allerdings vielleicht ein bisschen viel. Hier findest du viele weitere tolle Städtetrips, du sich super für deine erste Reise allein eignen.

Tag 1: Sightseeing in der Medina von Marrakesch

Nachdem du am Vortag angekommen bist, frühstückst du erst mal entspannt in deinem Riad auf der Dachterrasse. Ich kann dir das Riad Safina wärmstens empfehlen. Die Besitzer sind zwei Franzosen, Patrice und Marilyn, daher besuchen französischsprachige Gäste besonders gern diese Unterkunft. Grundlegende Sprachkenntnisse in Französisch schaden nicht, aber du kannst dich auch auf Englisch grob verständigen.

Dein erster Programmpunkt: Der Palast Bahia, das Glanzstück von Marrakesch

Das Riad Safina liegt nur wenige hundert Meter vom Palast Bahia entfernt. Er gilt als einer der großartigsten Paläste der Stadt und sein Name bedeutet übersetzt so viel wie „Brillanz“. Du kannst (und solltest) direkt um 9 Uhr, wenn der Palast öffnet, vor den Toren sein. So hast du für ca. 20 Minuten die Chance, ein paar schöne Bilder zu machen, bevor der Palast von Touristen überrollt wird. Der Eintritt beträgt (Stand 10/2019) 70 Dirham.

Vom Palast kannst du bequem zu Fuß weiter zum Palast El Badi gehen. Hier ist deutlich weniger los und du kannst in Ruhe das Gelände erkunden, von dem im Wesentlichen noch die Grundmauern erhalten sind.

Nicht verpassen: den Blick von der Terrasse, auf die du über eine Treppe links hinter dem Eingang gelangst.

Ebenfalls zu Fuß erreichst du von hier aus die Gräber der Saadier, deinen letzten Programmpunkt für diesen Vormittag. Inzwischen dürfte es Mittag geworden sein und damit, je nach Jahreszeit, zu heiß um entspannt draußen herumzulaufen. Dein Weg führt dich deshalb nur noch Richtung Jemaa El Fna, dem zentralen Platz, wo du auf dem Weg einen leckeren Smoothie oder Fruchtsaft für irgendwas zwischen 4 und 20 Dirham bei einem der zahllosen Obstverkäufer mitnehmen kannst.

Völlig egal, bei welchem der vielen Obstverkäufer du deinen Saft kaufst – sie schmecken alle fantastisch!

Darauf solltest du auf dem Jemaa El Fna achten:

  • Sobald du Bilder machst, auf denen potentiell Menschen zu sehen sind, wird jemand umgehend Geld von dir verlangen – sei also entweder unauffällig oder gib ein paar Dirham.
  • Lass dir auf keinen Fall ein Henna-Tattoo andrehen. Die Farben sind giftig und das Tattoo höchstwahrscheinlich völlig überteuert. Wenn du deinen Arm mit Henna verzieren lassen möchtest, hol dir besser eine Empfehlung in deinem Riad.
  • Mach bitte keine Fotos mit einer Schlange, einem Affen oder allen möglichen anderen Tieren. Ich hatte wirklich nicht den Eindruck, dass Tierschutz hier besonders groß geschrieben wird.
  • Lass dich nicht verunsichern, wenn du alle zwei Meter von der Seite angesprochen wirst. Ich habe mich mit einer Sonnenbrille  wohler gefühlt, weil du unauffällig Dinge ansehen kannst und nicht direkt die Aufmerksamkeit aller umstehenden Händler auf sich ziehst. 
Zur Mittagszeit wirkt der zentrale Platz fast etwas schläfrig – das wird sich in den Abendstunden schnell ändern.

Die heiße Mittagszeit verbringst du am besten gemütlich mit einem Buch und einem frischen Minztee in einem Café. Ich kann entweder das Café Zeitoun empfehlen, das direkt am Hauptplatz liegt, oder das Café des Epices ein paar hundert Meter weiter. Beide Cafés haben mehrere Etagen und eine Dachterrasse. Direkt neben dem Café des Epices findest du außerdem das angesagte Nomad Restaurant.

Versuch unbedingt, dir einen Platz auf der Dachterrasse zu sichern. Dank eines ausgeklügelten Wasser-Sprüh-Systems, das ständig einen feinen, erfrischenden Wassernebel verteilt, wird es hier trotz praller Mittagssonne nie zu heiß.

Auf dem Weg dorthin kannst du dich bereits einer ersten Bewährungsprobe stellen: dem Weg durch die Souks von Marrakesch. Ich habe die Einkäufe hier auf meinen letzten Tag verschoben, aber die Tage vorher genutzt, um mir einen Überblick über Angebot und Preise zu verschaffen. 

Eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten von Marrakesch, die ehemalige Koranschule Medersa Ben Youssef, war bei meinem Besuch im Oktober 2019 leider geschlossen. Die Koutoubia-Moschee hingegen ist für Touristen generell nicht zugänglich, sie lohnt sich aber auch von außen. Besonders bekannt ist sie für ihr 77 Meter hohes Minarett, das Wahrzeichen Marrakeschs.

Die Koutoubia-Moschee ist die größte Moschee von Marrakesch. Sie stammt aus der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts und ist damit eine der ältesten Moscheen Marokkos.

Tag 2: Wo Yves Saint Laurent seine Inspiration fand: Jardin Majorelle

Am zweiten Tag ist früh aufstehen angesagt, wenn du die Menschenmassen am Jardin Majorelle umgehen möchtest. Von der Medina aus kannst du entweder die ca. 3 km zu Fuß gehen und so Marrakesch außerhalb der sehr touristischen Altstadt kennen lernen, oder du nimmst ein Taxi für 40-50 Dirham. Der Jardin Majorelle öffnet um 8 Uhr, und dann solltest du auch da sein. Ich war gegen 10 Uhr da und die Schlange reichte schon einmal um den Block.

Tipp: Du kannst an der Schlange vorbeigehen und dir im Museum Yves Saint Laurent ein Kombi-Ticket für Garten und Museum kaufen. Zurück am Haupteingang kannst du so an der Schlange vorbeigehen und den Priority-Eingang nehmen.

Der Jardin Majorelle ist tatsächlich einer der schönsten Orte, an dem ich jemals war.

Im Garten selbst gibt es einen Rundweg, für den du ca. 2 Stunden brauchst, wenn du dir viel Zeit nehmen und viele Fotos machen möchtest. Manchmal musst du etwas warten, weil viel Andrang an den beliebtesten Motiven ist, aber insgesamt verlaufen sich die Menschenmengen überraschend gut.

Der Jardin Marjorelle wurde 1923 vom französischen Maler Jacques Majorelle angelegt und erst in den 1980er Jahren von der französischen Mode-Ikone Yves Saint-Laurent wiederentdeckt, gekauft und auf Vordermann gebracht. Nach Majorelle ist das berühmte leuchtende Kobaltblau, das „Majorelle-Blau“, benannt, das ganz Marrakesch prägt. 

Für den Nachmittag: Maison de la Photographie

Nachdem du die Mittagszeit wie gehabt in einem der vielen Cafés in Marrakesch verbracht hast, steht für den Nachmittag die Maison de la Photographie auf deinem Programm. Das kleine, feine Museum findest du ebenfalls in der Medina (eventuell musst du etwas suchen, es ist leicht zu übersehen). Es kostet 50 Dirham Eintritt und ist eine willkommene Ruheoase in den rastlosen Straßen der Medina, in denen dir auf Schritt und Tritt Verkäufer folgen.

Die Maison de la Photographie liegt etwas versteckt in der Medina von Marrakesch.

Im Fotografie-Museum kannst du erst mal verschnaufen – und in der tollen Ausstellung in die Kultur und Geschichte der Berber eintauchen. Danach gibt es, Überraschung, einen Minztee und eine Tajine, das berühmteste Gericht Marokkos, auf der Dachterrasse des Museums. Tajine bekommst du vegetarisch oder mit Fleisch – ich persönlich bin nicht der allergrößte Fan, aber probieren solltest du sie auf jeden Fall einmal. 

Tag 3: Stöbern in den Souks

Den dritten Tag in Marrakesch habe ich mir noch einmal für die Medina reserviert – und für ausgiebiges Souvenir-Shopping. Mit dem Einkaufen in Marrakesch ist es ja so eine Sache. Du hast sicher schon gelesen, dass das Handeln der heilige Gral der Verkäufer hier ist, und es führt kein Weg dran vorbei, wenn du die Verkäufer nicht erzürnen möchtest. Mir hat tatsächlich ein Verkäufer gesagt, das würde so aber keinen Spaß machen, als ich zu schnell einem vorgeschlagenen Preis zugestimmt haben.

Handeln in den Souks von Marrakesch ist nichts für Anfänger.

Das Ganze funktioniert in einem für uns etwas skurril wirkenden Wechselspiel. Der Verkäufer nennt dir einen absurd hohen Preis, du einen absurd niedrigen. Nach längerem Hin und Her trefft ihr euch dann irgendwo in der Mitte. Als Faustregel gilt: Wenn der Verkäufer seine Familie ins Spiel bringt und erwähnt, wie sie demnächst alle am Hungertuch nagen werden, näherst du dich langsam einem angemessenen Preis.

Am Ende kannst du aber trotzdem kaum einschätzen, was ein angemessener Preis ist und möchtest natürlich auch niemanden abzocken. Kein Wunder, dass das für viele eine Situation ist, die sich unangenehm anfühlt – in Marrakesch ist das aber tatsächlich ganz normal.

Sicher hast du schon einige Tipps dazu gelesen, wie du richtig handelst:

  • Nicht gleich im ersten Geschäft kaufen, es gibt überall das gleiche
  • Preise vergleichen
  • Dir nicht anmerken lassen, wenn du etwas wirklich haben möchtest
  • Nach den Preisen für viele Gegenstände fragen, darunter möglichst unauffällig der, den du wirklich haben möchtest.
  • Wenn du mit jemandem unterwegs bist, ein „Good Cop – Bad Cop“ Modell spielen

Ich handle selbst leider auch überhaupt nicht gern und kann deshalb keine wirklich guten weiteren Tipps geben :-). Außer einem:

Tipp: Wenn du dich unwohl beim Handeln fühlst, bietet das Ensemble Artisanal, eine Art Einkaufszentrum für Kunsthandwerk, Lampen, Lederwaren usw. eine gute Alternative. Hier haben alle Waren Festpreise – du bezahlst evtl. etwas mehr als in den Souks, kaufst aber deutlich entspannter ein.

Die Abende habe ich übrigens entweder in meinem Riad auf der Terrasse oder auf dem Djeema El Fna verbracht – hier wird der Platz buchstäblich in ein anderes Licht getaucht, sobald die Dämmerung einsetzt. Wie aus dem Nichts tauchen jede Menge Garküchen und Gaukler auf, und gefühlt trifft sich hier abends auch sonst ganz Marokko. Am besten und entspanntesten beobachtest du das Treiben von der Terrasse eines der umliegenden Cafés und Restaurants.

Der zentrale Platz Djeema El Fna ist in den Abendstunden noch einmal ein ganz neues Erlebnis, das du dir nicht entgehen lassen solltest.

Ansonsten kann ich dir bei deiner Reise nach Marrakesch folgende Geschäfte ans Herz legen:

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