Sleep No More Show in New York – lohnt sie sich?

Theaterstück Sleep No More – was ist das eigentlich?

Eine krasse Theater-Erfahrung solltet ihr euch bei einer Städtereise nach New York City auf keinen Fall entgehen lassen: Sleep No More. Die Show hatte in Blogartikeln und Medienberichten wahre Begeisterungsstürme verursacht: DAS neue Ding in NYC, das Set ein altes Hotel, begehbar über 4 Etagen, ein Theater zum Mitmachen und Miterleben.

Aus der Webseite wurde ich allerdings nicht schlau, WAS genau das Stück nun eigentlich war, auch über die Handlung ließen sich nur schwammige Informationen finden. Später fand ich heraus, dass es zum Konzept des Stücks gehört, dass Besucher möglichst unvorbereitet kommen. Deshalb versuche ich hier auch nicht zu viel zu verraten. Wer sich lieber „blind“ auf die Aufführung einlassen will, sollte also lieber nicht weiterlesen.

> Hier könnt ihr Tickets für Sleep No More online kaufen

Was ist das Besondere an Sleep No More?

Sleep No More ist ein experimentelles Theater „zum Mitmachen“. Das heißt, es gibt keine klassische Bühne, auf der Schauspieler spielen. Die eigentliche Bühne von Sleep No More ist das McKittrick Hotel, das in Wirklichkeit gar kein Hotel ist, sondern ursprünglich mal ein Fabrikgebäude war – bevor es zu einer riesigen, wahnsinnig detailreich ausgestatteten Theaterkulisse wurde.

Ihr dürft nach Belieben im ganzen Hotel herumlaufen – und das ist groß. Dabei stoßt ihr immer wieder auf Schauspieler und Szenen, die ihr euch ansehen könnt und in die ihr manchmal auch hineingezogen werdet. Spannend: Ihr entscheidet, wohin ihr als nächstes geht. Niemand weiß, welche Szene man im nächsten Raum entdeckt. Weder Schauspieler noch Besucher dürfen sprechen. Die Atmosphäre ist insgesamt sehr düster.

Wie verläuft mein Besuch bei Sleep No More in New York?

Besucher reihen sich abends vor dem McKittrick Hotel NYC in eine Schlange ein und werden in Gruppen eingelassen und durch einen düsteren Gang geführt. Die Einlasszeit könnt ihr beim Ticket-Kauf angeben. In einer Art Lounge, der Manderley Bar,  wartet ihr, bis eure Gruppe an der Reihe ist. Jeder bekommt eine Maske, die er für die gesamte Dauer des Aufenthalts tragen wird. Sprechen dürft ihr während des gesamten Stücks nicht, auch Fotos sind streng verboten.

Mit einem Fahrstuhl bringt euch der „Concierge“ in eine der vier Etagen. Von dort aus dürft ihr für die gesamte Dauer von Sleep No More durch das Hotel streifen und die einzelnen Räume erkunden. Die sind ganz unterschiedlich gestaltet, meist aber etwas morbide oder unheimlich, es gibt zum Beispiel ein Waisenhaus, eine Gruft, eine Flüsterkneipe und ein Detektivbüro. Ihr dürft alles anfassen – lest Briefe, öffnet Schubladen oder wühlt euch durch die Schränke. Das gehört alles zur Theater-Erfahrung. Pro Aufführung sind mehrere Hundert Besucher im Hotel. Die verteilen sich aber so gut, dass man sich manchmal auch völlig allein mit zwei Schauspielern in einem Raum wiederfindet.

Beim Herumstreifen habe ich oft zuerst gar nicht realisiert, dass ich in eine Szene geraten bin, bis mir auf einmal auffiel, dass da ja Leute keine Maske tragen – nämlich die Schauspieler. Die geben sich übrigens auch alle Mühe, sich unauffällig unter die Besucher zu mischen. Mal sitzen sie plötzlich an einer Bar, mal streiten sie wortlos im Detektivbüro oder prügeln sich.

Spannende Szene erwischt und ihr wollt wissen, wie es weitergeht? Dann folgt den Schauspielern einfach durch das Haus. Sie sind nicht an einen Raum gebunden, sondern bewegen sich frei durch die ganze Kulisse. Das ist allerdings gar nicht immer so einfach, weil sie manchmal einfach durch Türen verschwinden, die sich dann nicht mehr öffnen lassen.

Was ist eigentlich die Handlung von Sleep No More?

Das Stück ist grob an Shakespeare’s Macbeth angelehnt. Ich habe in einem Schlafzimmer zum Beispiel einen Brief entdeckt, der an Lady Macbeth adressiert war. Die einzelnen Szenen, die gespielt werden, hängen also wohl auch irgendwie zusammen und es gibt feste Charaktere, denen ihr immer wieder begegnen werdet. Da es aber bei einem Besuch unmöglich ist, alle Szenen mitzuerleben, könnt ihr auch nicht die Gesamt-Handlung nachvollziehen. Das ist aber auch eher zweitrangig. (Und natürlich darauf ausgelegt, dass die Besucher noch einmal wiederkommen…).

Langsam entwickelt sich aber spürbar ein Spannungsbogen. Die Szenen werden verstörender, blutiger, die Schauspieler wirken zunehmend wahnsinnig und auch die Musik wird drückender und bedrohlicher. Manchmal entsteht auch eine Art Ton-Bild-Schere – es plätschert 20er-Jahre-Musik dahin, aber im Vordergrund ringen zwei Schauspieler stumm und zäh miteinander. Wie gesagt – alles hat Macbeth-Anklänge.

Für wen eignet sich Sleep No More?

Sleep No More solltet ihr am besten allein erleben. Wenn ihr in Gruppen kommt, trennt euch gleich am Anfang. Darauf weist euch der Concierge auch noch mal extra hin. Manche Leute werden auch während der Fahrstuhlfahrt von ihrer Gruppe getrennt. Dafür sorgt ebenfalls der Concierge.

Wenn ihr unter Platzangst leidet oder euch im Dunkeln nicht wohl fühlt und allgemein eher schreckhaft ist, solltet ihr euch noch mal überlegen, ob das Stück wirklich etwas für euch ist. Die gesamte Szenerie ist in Dämmerlicht getaucht, man verliert schnell die Orientierung und in einigen Szenen wird ziemlich apokalyptische Musik gespielt. Das Ganze wirkt subtil bedrohlich, was die Erfahrung wahnsinnig intensiv macht – aber man hat eben auch manchmal das Gefühl, dass man nicht wieder rausfinden wird.

Was ist real, was Theater bei Sleep No More?

Das Gefühl, in der gesamten Szenerie etwas verloren und auf sich selbst gestellt zu sein, gehört zum Erleben des Stücks dazu. Das liegt auch übrigens daran, dass ALLE am Stück beteiligt sind. Also auch Garderobenpersonal und Catering. Alle geben vor, im McKittrick Hotel (NYC) zu arbeiten, das ja an sich schon fiktiv ist.

Ist Sleep No More für Kinder geeignet?

Definitiv nein. Die Atmosphäre ist insgesamt düster, außerdem verliert man schnell die Orientierung. Für Kinder sind viele der Szenen sicher ziemlich beängstigend.

Wie teuer ist das Sleep No More?

Knapp 90 Dollar. Wenn ihr ein Abendessen vor Sleep No More im McKittrick Hotel oder einen Drink in der Manderley Bar dazu bucht, wird es teurer. Karten müsst ihr vorab über die Website reservieren. Nicht billig, aber auch eine Erfahrung, die ihr so schnell nicht vergessen werdet.

Wie lange dauert Sleep No More?

Das bleibt im Wesentlichen euch selbst überlassen. Normalerweise dauert es zwischen 2 ½ und 3 Stunden. Den Beginn kann man nämlich nicht genau festlegen, ich bin bestimmt 20-30 Minuten herumgelaufen, bis die erste Szene angefangen hat. Das liegt auch daran, dass sich erst alle Besucher im Hotel verteilen müssen.

Auf die Abschluss-Szene bin ich nur durch Zufall gestoßen – ich verrate nur so viel – es gibt ein furioses Finale im untersten Stockwerk. Wer möchte, kann aber auch früher in die Lounge zurückkehren und das Stück verlassen.

> Sleep No More, 530 W 27th St, New York, NY 10001, Vereinigte Staaten

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